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28. Juli 2014 Ingo Boxhammer & Jürgen Beineke

Castrop-Rauxel: Rats-Koalitionäre ignorieren das Thema Schulische Inklusion

Pünktlich zum Inkrafttreten des 9. Schulrechtsänderungsgesetztes, mit dem zum 1. August 2014 die Schulische Inklusion in NRW auf den Weg gebracht werden soll, legt uns auch die neue Castrop-Rauxeler Ratskoalition aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP ihren Koalitionsvertrag vor.


Doch siehe da: In dem 41 Seiten umfassenden Papier wird das Thema Schulische Inklusion nicht behandelt. Dieser Begriff wird demonstrativ gemieden.

Deutschland hat UN-Behindertenrechtskonvention mit Zusatzprotokoll am 24. Februar 2009 ratifiziert, und damit sind sie deutsches Recht. Es handelt sich also um einen Gesetzesauftrag, den es zu realisieren gilt. – Schulische Inklusion ist ab sofort Handlungsmaxime! – Aber im Koalitionsvertrag spielt dieses Thema für SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP keine Rolle.

Statt dessen beschäftigen sie sich 2 ½ Seiten lang mit dem Thema Förderschulentwicklungsplanung, und sie wollen auf dieser Ebene sogar noch eine neue Institution schaffen, nämlich ein „Zentrum für sonderpädagogische Förderung als Ersatzkonzept“. Was soll das? Worum handelt es sich dabei? Das Zentrum soll Aufgaben aus dem Bereich der Förderschulen und dem Jugendamt übernehmen. Also Anstrengungen zum Erhalt des Förderschulsystems, aber Perspektivlosigkeit bezüglich Schulischer Inklusion.

Und was bedeutet das? Ausweitung des Förderschulsystems, das sich mit inklusiver Beschulung nicht verträgt? Ablehnung von Schulsozialarbeit, wie wir sie an den Gesamtschulen schätzen gelernt haben und die wir gerne auf alle Schulformen ausgedehnt wissen möchten?

Wichtig wären zudem Vorschläge, wie mit dem Personal der jetzigen Förderschulen umgegangen werden soll, um es auf Dauer als eine sinnvolle Ergänzung eines wirklich inklusiven Schulsystems zu integrieren.

Zu all dem kein Wort!

Dabei wird hier in Castrop-Rauxel u. a. im Schulausschuss bereits seit Jahren über das Thema Schulische Inklusion diskutiert. Inzwischen ist es „Fünf nach Zwölf“.

Es reicht nicht, dieses Thema im Rahmen eines allgemeinen Inklusionsplanes quasi am Rande mit zu erledigen. - Schulische Inklusion sollte vielmehr Pilot-Charakter haben, an dem man exemplarisch lernen kann.

Dazu muss man schlicht und einfach mal beginnen, nicht nur ständig darüber diskutieren und Absichtserklärungen formulieren, wie das die heutigen Koalitionäre im Schulausschuss seit ungefähr einem Jahr getan haben.

Die gegenwärtigen Koalitionspartner SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP drücken sich nach wie vor vor dem Thema! Immerhin werden in diesem Koalitionsvertrag die Politikabsichten für die nächsten sechs Jahre festgeschrieben. – Und dabei spielt Schulische Inklusion keine Rolle?


Vorstehender Text ging als Stellungnahme an die Lokalredaktionen von:
Stadtanzeiger
Ruhr Nachrichten


Siehe auch: Schulsozialarbeit muss zum konzeptionellen Bestandteil an allen Schulen werden

Siehe auch: Schulische Inklusion in Abgrenzung zum Gemeinsamen Unterricht in NRW