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DIE LINKE. Fraktion im Rat der Stadt Castrop-Rauxel

Aktionsprogramm zur Hilfe für die Flüchtlinge in Castrop-Rauxel

DIE LINKE. Fraktion im Rat der Stadt Castrop-Rauxel richtete heute einen Antrag an den Bürgermeister und bat, ihn für die Haushaltsberatungen und als Tagesordnungspunkt während der nächsten Ratssitzung vorzusehen.

Unser Anliegen: Der Rat möge umgehend ein Aktionsprogramm zur Hilfe für die Flüchtlinge in Castrop-Rauxel beschließen.

 


Begründung

So viele Flüchtlinge wie heute gab es in der Welt seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Die Menschen fliehen vor Krieg, Hunger und Unterdrückung. Täglich kommen 30.000 neue Flüchtlinge hinzu.

Trotz der zweifelhaften globalen Aktivitäten der USA, der NATO und der BRD erhoffen sich viele Flüchtlinge, dass die Länder Europas ihnen weiterhelfen werden.

Statistiken der Bezirksregierung Arnsberg und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge weisen 30.757 Flüchtlinge aus, die von Januar bis Ende September nach Nordrhein-Westfalen gekommen sind, um ihr Recht auf Asyl in Anspruch zu nehmen. – Menschen aus Syrien, Eritrea, Serbien und anderen Ländern.

„Vertreibung, Verfolgung, Folter und Vergewaltigung sind traumatische Erlebnisse, die tiefe Spuren hinterlassen. Um diese Erfahrungen verarbeiten zu können, sie als Teil des eigenen Lebens zu akzeptieren und sich wieder ein neues Leben aufbauen zu können, brauchen Flüchtlinge nicht nur Zeit, sondern auch psychologische Hilfe …
Gleichzeitig ist vielen Flüchtlingen, das Leben in Deutschland fremd. Jeder Tag bringt viele neue Fragen mit sich. Sei es im Umgang mit Behörden, die fremde Sprache oder ungewohnte Verhaltensweisen. Viele Flüchtlinge fühlen sich überfordert oder auch einsam und allein gelassen. Besonders minderjährige Flüchtlinge, die ohne Familie nach Deutschland gekommen sind, leiden darunter.“ (Quelle: UNO-Flüchtlingshilfe)

Auch der Stadt Castrop-Rauxel werden in den letzten Monaten vermehrt wieder Flüchtlinge zugewiesen. Diese Zahl wird sich weiter erhöhen.

Es handelt sich dabei nicht um kurzfristige Aufenthalte dieser Menschen, sondern es ist damit zu rechnen, dass viele dieser Personen für Jahre, wenn nicht für immer in Castrop-Rauxel bzw. Deutschland verbleiben werden.

Diese Flüchtlinge erhalten in Castrop-Rauxel die nach den Gesetzen vorgesehene Verwaltungs- und Sozialbehandlung; die Mitarbeiter der Stadtverwaltung versuchen auch, ihnen Mittel und Wege aufzuzeigen, wie und wo sie Hilfen finden können.
Aber aufgrund der vielen individuell unterschiedlich gelagerten Fälle, der sprachlichen Barrieren, der Auswirkungen von oft dramatischen Erlebnissen im Heimatland und auf dem Weg nach Europa reichen diese Hilfen nicht mehr aus.
Die nach Castrop-Rauxel gekommenen Flüchtlinge sollten gerade aufgrund der deutschen Erfahrungen mit der Emigration zwischen 1933 und 1945 erwarten können, dass ihnen weitreichende Hilfen und Erleichterungen gewährt werden.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ (Art. 1 Grundgesetz).

Die Flüchtlinge sollten als Gäste angesehen und auch so behandelt werden.

Ein kurzfristig anlaufendes Aktionsprogramm für Flüchtlinge soll (nach der Auswertung der Verwaltungs-Antworten auf die Anfrage der LINKEN Fraktion im Rat der Stadt Castrop-Rauxel vom 10. Oktober 2014) die folgenden Bereiche betreffen:

  1. Angemessene Unterbringung und Wohnen der Flüchtlinge
  2. Aufsuchende Sozialarbeit für die psychosoziale und persönliche Begleitung, einschließlich Geleit bei administrativen Erledigungen
  3. Psychologische bzw. psychiatrische Traumabegleitung
  4. Rechtliche Betreuung und Beratung
  5. Vermittlung der deutschen Sprache (Schlüssel des Einlebens)
  6. Vermittlung zu Fachstellen (z. B. städtische Ämter, Organisationen)
  7. Lebenspraktische Orientierung in unserer Gesellschaft
  8. Gemeinwesenorientierte Arbeit (Information der Bevölkerung; Mitarbeit von Kirchen, Vereinen sowie ehrenamtlicher Kräfte)
  9. Schulische Bildung und Ausbildung
  10. Einbindung in die Arbeitswelt
  11. Förderung der Gesundheit
  12. Beteiligung an Kultur und Sport
  13. Zielgruppenspezifische Angebote (z. B. Frauen)
  14. Kinder- und Jugendhilfe


Umsetzung

Die Durchführung eines solchen Aktionsprogramms ist von den Verwaltungsmitarbeiterinnen und Verwaltungsmitarbeitern nicht zu schaffen. Auch die zahlreichen privaten Initiativen können allein die Probleme der Flüchtlinge nicht ausreichend lösen.

Notwendig ist, in der Flüchtlingsberatung erfahrene Sozialarbeiterinnen bzw. Sozialarbeiter / Sozialpädagoginnen bzw. Sozialpädagogen einzusetzen. Diese können große Teile der oben genannten Bereiche allein oder/und in Zusammenarbeit mit privaten Initiativen abdecken.

Für den Bereich „Vermittlung der deutschen Sprache“ ist auf die erfahrenen Dozentinnen bzw. Dozenten der Volkshochschule zurückzugreifen.


Kosten jährlich

  • 2 Sozialarbeiterinnen bzw. Sozialarbeiter / Sozialpädagoginnen bzw. Sozialpädagogen EURO 110.000
  • 2 Intensivsprachkurse ganzjährig 2.000 UStd EURO 35.000
  • Beratungskosten EURO 5.000

      Zusammen EURO 150.000


Sprachkurse sollten sofort anlaufen. Flüchtlinge sind nämlich nicht berechtigt, an den vom Bund geförderten Sprachkursen (finanziell gefördert) teilzunehmen.
Wenn die VHS 2014er-Kurse nicht noch aus eigenen Mitteln zahlen kann, sollen ihr für 2014 noch € 1.200 zur Verfügung gestellt werden.


Siehe auch: Flüchtlinge und Asylanten in Castrop-Rauxel - Anfrage der LINKEN