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Ingo Boxhammer & Jürgen Beineke

Schulische Inklusion: DIE LINKE. Castrop-Rauxel sieht dringenden Handlungsbedarf

Während sich die hiesige FDP (Anne Krüger) bezogen auf das Thema der schulischen Inklusion in Castrop-Rauxel primär von Kostengesichtspunkten leiten lässt, treibt DIE LINKE eher die Frage nach den Qualitätsstandards einer im Übrigen zügig zu errichtenden inklusiven Schullandschaft um.

Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ist seit März 2009 geltendes Bundesrecht. Bund, Länder und Kommunen sind demnach verpflichtet, das Abkommen (schrittweise) umzusetzen. – Im Schulbereich in Form einer inklusiven Schule.

Es geht also darum, die bestehende Schullandschaft an nationales wie internationales Recht anzupassen, und hierzu bedarf es nicht erst noch einer lokalen Elternbefragung, wie von der FDP gefordert.
Schon gar nicht kann man die Kostenseite unter einen Finanzierungsvorbehalt stellen, wie das die FDP mit Hinweis auf die von ihr mitverursachte desolate Haushaltslage der Stadt Castrop-Rauxel tut.

Es geht in Castrop-Rauxel ab sofort darum, wie inklusive Beschulung u. a. für die in unserer Stadt vorhandenen Schülerinnen und Schüler mit Sonderpädagogischem Förderbedarf realisiert werden kann. Dazu ist es zunächst dringend erforderlich, hier, an Ort und Stelle, zu wissen, um wie viele Kinder es sich überhaupt handelt. Die hiesige Verwaltung jedenfalls konnte auf unsere Anfrage konkrete Zahlen nicht nennen. Die Schuldezernentin, Frau Glöß, geht vielmehr von einer Schätzgröße aus, die „zwischen 3 % und 5 % liegt, wobei die regionale Schulentwicklungsplanung ausweist, dass diese Anteile je nach Förderbedarf sehr unterschiedlich sind." Wir erwarten, dass Frau Glöß die für eine sinnvolle Planung notwendigen korrekten und brauchbaren Zahlen nachliefert.
Die Landesregierung geht von einem landesweiten Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Sonderpädagogischem Förderbedarf an der Gesamtzahl in Primarstufe und Sek I. (2012/13) von 6,7 Prozent aus – einer insgesamt kleinen Zahl also.

Uns interessieren zudem klare Ziel-, Zeit- und Ressourcenfestlegungen:

  • Wie hat die Raumgestaltung auszusehen,
  • wie das Lehr- und Lernmaterial,
  • wie die inhaltlich/pädagogische Konzeption.
  • Steht ein multiprofessioneller Lehrkörper zur Verfügung? - Wir denken nämlich keineswegs nur an Lehrpersonen und Förderlehrer, sondern auch an Logopäden, Egotherapeuten, Dipl. Heilpädagogen und vor allem an Schulsozialarbeit.
  • Insbesondere ist die Definition einer sinnvollen „Schüler/Lehrer-Relation“ für das Gelingen einer inklusiven Schulform von herausragender Bedeutung.

Für die Beantwortung all dieser grundsätzlichen Fragen bedarf es allerdings auch und vor allem eines verbindlichen Rechts- und Finanzierungsrahmens.

Nach den gebrochenen schulpolitischen Versprechen hat die NRW-Landesregierung schließlich und endlich in der Kabinettssitzung vom 19. März 2013 den Entwurf für ein erstes Gesetz zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in den Schulen (9. Schulrechtsänderungsgesetz) auf den Weg gebracht.
Die inklusive Bildung und Erziehung in allgemeinen Schulen soll damit im Schulgesetz als Regelfall verankert werden.
Die Schulgesetznovelle sieht vor, dass den Kindern mit Sonderpädagogischem Förderbedarf grundsätzlich immer auch ein Platz in mindestens einer allgemeinen Schule angeboten werden soll. – Na also, es geht doch!
Eltern sollen zudem auch eine Förderschule für ihr Kind wählen können – wieso eigentlich, wenn man Förderschulen langfristig nicht mehr möchte?
Empörend: Nach dieser Gesetzesvorlage dürfen nur Erst- und Fünftklässler von diesem Recht Gebrauch machen! Ein Wechsel von der Förderschule ist nicht vorgesehen – warum eigentlich nicht? Den Besuch eines Berufskollegs will die Landesregierung sogar erst 2016 ermöglichen.
Der Anspruch auf den Besuch einer allgemeinen Schule soll zudem erst ab dem Schuljahr 2014/15 schrittweise beginnen.

Doch die Schulgesetznovelle ist bis heute durch den Landtag nicht beschlossen und von daher für den diesjährigen Einschulungstermin irrelevant. Ursprünglich war der Start einer inklusiven Schullandschaft NRW von Landesministerin Löhrmann bereits für dieses Jahr zugesagt.

Sollte sich das Land NRW bezüglich einer ausreichenden Finanzierungsbeteiligung (Konnexitätsprinzip = wer die Musik bestellt, bezahlt sie auch.) verweigern, werden wir als LINKE entsprechende Bestrebungen einiger NRW-Kommunen, im Falle der Nichtanerkennung der Konnexität eine Kommunalverfassungsbeschwerde beim Verfassungsgerichtshof einzureichen, unterstützen. Wie die FDP wünschen auch wir, dass sich daran dann ebenfalls die Stadt Castrop-Rauxel beteiligt.


Zusammenfassend: Inklusive Schule soll hier in NRW offensichtlich über den „Gemeinsamen Unterricht“ eingeführt werden. Das setzt zwangsweise die Feststellung des „Sonderpädagogischen Förderbedarfs“ voraus.

Wir, DIE LINKE, wollen das nicht. Wir wünschen die grundsätzliche und vorbehaltlose Einschulung aller Kinder in eine inklusive „SCHULE FÜR ALLE“, in der die Schülerinnen und Schüler während ihrer gesamten Schulzeit nach individuellen Lehrplänen durch ein multiprofessionelles „Expertenteam“ begleitet und zu einem jeweils angemessenen Abschluss geführt werden.

Die „PRIMUS-Schule“, der Zusammenschluss von Grundschulen und Schulen der Sekundarstufe I zu einer die Klassen 1 bis 10 umfassenden Schule, ist nicht einmal als Möglichkeit erwogen worden.


Vorstehender Text ging auch an die Lokalredaktionen von:
Ruhr Nachrichten
Stadtanzeiger
WAZ

 

17.08.2013 | Inklusion: FDP sieht Handlungsbedarf - Stadtanzeiger  

Siehe auch: PRIMUS - Neuer Schulversuch zum längeren gemeinsamen Lernen